Grenzen setzen lernen, ohne sich egoistisch zu fühlen
Warum es uns so schwerfällt, Nein zu sagen, und was dahintersteckt
Nein zu sagen sollte einfach sein. Doch für viele Menschen wird es zu einer ständigen Quelle von Schuldgefühlen, Angst und inneren Konflikten. Wir stimmen Plänen zu, die wir nicht wollen, übernehmen Verantwortlichkeiten, die uns überfordern, und priorisieren andere, selbst wenn wir erschöpft sind.
Und dann taucht eine wiederkehrende Frage auf: Warum fällt es mir so schwer, Grenzen zu setzen?
Wenn Nein sagen als Versagen erlebt wird
Vielen Menschen fällt es nicht schwer zu helfen, zu begleiten oder verfügbar zu sein. Schwierig wird es, wenn es bedeutet, auf sich selbst zu verzichten. Nein sagen wird oft als Enttäuschung, als Egoismus oder als Bruch mit dem Bild einer „guten Person“ empfunden, das wir gelernt haben aufrechtzuerhalten.
Von klein auf lernen wir, manchmal ohne es zu merken, dass:
Geliebt zu werden mit Gefallenwollen verbunden ist.
Ja sagen Konflikte vermeidet.
An sich selbst zu denken als Egoismus ausgelegt werden kann.
Mit der Zeit wird dieses Lernen zu einer automatischen Art der Beziehung.
Was wirklich hinter der Schwierigkeit steckt, Grenzen zu setzen
Wenn jemand keine Grenzen setzen kann, liegt es meist nicht an mangelndem Charakter. Dahinter steckt oft Angst:
Angst vor Ablehnung oder Verlassenwerden.
Angst, anderen Unbehagen zu bereiten.
Angst, nicht genug zu sein, wenn man nicht immer verfügbar ist.
Auch geringes Selbstwertgefühl, vergangene Erfahrungen, in denen das Setzen von Grenzen negative Folgen hatte, oder familiäre Dynamiken, in denen der persönliche Raum nicht respektiert wurde, spielen eine Rolle.
Grenzen setzen ist nicht nur ein Verhalten, es ist ein emotionaler Prozess.
Der falsche Mythos des Egoismus
Es gibt eine große Verwechslung zwischen Egoismus und Selbstfürsorge.
Egoismus bedeutet, den anderen nicht zu berücksichtigen.
Grenzen setzen bedeutet, auch dich selbst zu berücksichtigen.
Eine gesunde Grenze ist keine Bestrafung oder aggressive Barriere. Es ist eine klare und ehrliche Art zu sagen: Das kann ich, das nicht, bis hierhin gehe ich. Weit davon entfernt, Beziehungen zu schaden, ordnen gut gesetzte Grenzen sie meist und machen sie authentischer.
Wo keine Grenzen sind, entsteht Erschöpfung
Ein dauerhafter Mangel an Grenzen führt oft zu:
Emotionaler Erschöpfung.
Reizbarkeit.
Dem Gefühl, gefangen zu sein.
Ungleichgewichtigen Beziehungen.
Schuldgefühlen, selbst beim Ausruhen.
Viele Menschen kommen in Therapie, nicht weil sie nicht Nein sagen können, sondern weil sie nicht mehr Ja sagen können.
Grenzen setzen lernen ist ein Lernprozess, keine Charaktereigenschaft
Grenzen setzen bedeutet nicht, zu ändern, wer du bist, sondern gesünder mit dir selbst und anderen umzugehen.
Es lernt sich Schritt für Schritt, indem man anfängliches Unbehagen toleriert und die Überzeugungen überprüft, die uns sagen, dass es falsch ist, auf uns selbst aufzupassen.
Manchmal wird die erste Grenze nicht außen, sondern innen gesetzt: aufhören, sich selbst so viel abzuverlangen.
Zum Abschluss
Grenzen setzen macht dich nicht egoistisch.
Es macht dich zu jemandem, der sich selbst zuhört, sich respektiert und sich um sich kümmert.
Und das ist, weit davon entfernt, dich von anderen zu entfernen, oft der erste Schritt zu ausgeglicheneren und ehrlicheren Beziehungen.
Wenn du spürst, dass sich diese Schwierigkeit in deinem Leben wiederholt und dir Unbehagen bereitet, kann eine Therapie ein sicherer Raum sein, um zu verstehen, woher sie kommt und neue Wege des schuldfreien Umgangs zu lernen.
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